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Wie aus Freunden Feinde wurden

Rashad Evans fordert seinen ehemaligen Teamkollegen Jon Jones am 21. April bei UFC 145 um die Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht heraus.

Anfang 2011 änderte sich binnen weniger Wochen die ganze Karriere von Rashad Evans. Einen für UFC 128 geplanten Weltmeisterschaftskampf gegen Mauricio „Shogun“ Rua musste er aufgrund einer Knieverletzung absagen. Ersetzt wurde der 32 Jahre alte „Ultimate Fighter 2“-Gewinner von seinem Trainingspartner und Teamkollegen Jon Jones. Mit einer dominanten Leistung erkämpfte sich Jones den Halbschwergewichtstitel, und von nun an waren ihre Rollen klar verteilt: Jones der Weltmeister, Evans der Herausforderer.

Nachdem Jones die Weltmeisterschaft gewonnen hatte, war sich niemand sicher, wie es mit dem Titel weitergehen würde. Vor Jones‘ Titelkampf sagten beide, sie wollen auf keinen Fall gegeneinander kämpfen. Beide hatten zu der Zeit in Albuquerque, New Mexico im Team von Startrainer Greg Jackson dieselben Trainer und Trainingspartner.

„Irgendwann haben wir doch darüber geredet, und ich sagte ihm, wenn er kämpfen will, dann kämpfen wir“, erzählt Evans. „Dann sagte ich, dass ich ihn verhauen würde und er sagte, nein, ich werde dich verhauen. Anfangs war ich wütend und sehr emotional, aber jetzt pfeife ich auf Greg Jackson. Er sagte mir, es würde nie dazu kommen, ich würde nie gegen einen Teamkollegen kämpfen müssen. Ich habe ihm geglaubt, aber dann kam es genau so, wie ich es befürchtet hatte. Und dann hält er zu dem anderen? Das ist Verrat.“

Evans spielt hier auf die Zeit im Jahr 2008 an, als er gerade Weltmeister war und Jones nur ein ungeschliffenes Nachwuchstalent.

„Vor ein paar Jahren kam Greg Jackson mit der Idee auf mich zu, Jon Jones in unser Team zu holen“, erzählt Evans. „Ich sagte ihm, Jon würde zwar einen sehr talentierten Eindruck machen, aber gleichzeitig war ich besorgt, da ich wusste, dass er jemand war, gegen den ich eines Tages kämpfen müsste. Greg wiegelte aber gleich ab und sagte, dazu würde es nie kommen, wir wären eine Familie, wie wären Brüder, wir würden nie gegeneinander kämpfen müssen. Ich fand die Idee dennoch nicht so gut. Er meinte, ich solle ihm vertrauen, ich müsse nicht gegen ihn kämpfen, und falls doch, würde er hinter mir stehen.“

Als Konsequenz aus dem Verhalten seines Trainers wechselte Evans das Team. Auf seinen letzten Kampf bereitete er sich in Florida bei „Imperial Athletics“ vor, einem Gym, das er mit mehreren Brasilianern gründete, die das American Top Team verlassen hatten. Der Wechsel schien Evans gut getan zu haben, denn im Januar besiegte er den ringerisch extrem starken Phil Davis einstimmig nach Punkten und fügte ihm die erste Niederlage seiner Karriere zu.

„Wenn ich mich auf einen Kampf vorbereite, dann muss das an einem reinen Ort geschehen, damit ich das Beste aus mir herausholen kann“, sagt Evans. „Die Tatsache, dass hier alles neu ist, ist für mich wie eine spirituelle Reinigung. Ich bin zu meinen Wurzeln zurückgekehrt und trainiere mit Sportlern, die sich um einen kümmern und die Spaß haben wollen. Wenn ich mir sage, dass ich einfach nur Spaß haben werde und nichts anderes, wenn Spaß haben mein Hauptziel ist, dann fügt sich alles zusammen.“

Aus Spaß wird am 21. April aber bitterer Ernst, denn die Angelegenheit mit Jones ist für Evans eine persönliche. Jones ist das beste Halbschwergewicht der Welt, aber Evans zweifelt nicht daran, dass er Jones bei UFC 145 besiegen und den Titel abnehmen wird.

„Ich weiß, dass meine Hand nach dem Kampf hochgehoben wird“, sagt Evans. „Ich glaube das von ganzem Herzen. Ich werde nicht zulassen, dass er mich besiegt. Ich werde gegen Jon Jones nicht verlieren.“