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Struve stoppt Miocic, Briten feiern Hardy und Pickett

Hier findet ihr alle wesentlichen Informationen zu UFC on Fuel TV 5 in Nottingham, England.

Gestern hielt die Ultimate Fighting Championship ihre erste Veranstaltung in Großbritannien in diesem Jahr ab. Austragungsort von UFC on Fuel TV 5 war die Capital FM Arena in Nottingham, Heimat von Robin Hood und Dan Hardy. Die Briten bewiesen wieder einmal ihre Begeisterung für die UFC und sorgten in der Halle für eine Stimmung wie in einem Fußballstadion. Das Programm mag zwar nicht mit den bekanntesten Kämpfern bestückt gewesen sein, aber der Qualität und dem Unterhaltungswert der Kämpfe tat dies wie immer keinen Abbruch.

Robbie Peralta schockt Jason Young

Die Federgewichte Robbie Peralta und der Engländer Jason „Shotgun“ Young eröffneten den Abend mit einem Knall. Nach einer kurzen Abtastphase brachte Peralta seinen im Thaiboxen starken Gegner mit einem Körperhaken ins Straucheln und schlug ihn anschließend mit einem rechten Haken nieder. Weitere Schläge mit der Rechten schickten Young nach nur 23 Sekunden Kampfzeit ins Reich der Träume und sorgten für einen kurzzeitigen Stimmungsabfall in der Capital FM Arena.

Gunnar Nelson abgeklärt und souverän

Die geknickte Stimmung änderte sich schlagartig, als es Zeit für das Debüt des unbesiegten Isländers Gunnar Nelson war. Nelson brachte einen großen Fanclub mit nach England, dem Land, in dem er seine ersten Schritte als MMA-Kämpfer machte. Mit stoischem Gesichtsausdruck schritt das BJJ-Wunderkind zum Octagon und erwartete dort den „Ultimate Fighter 9“-Finalisten im Weltergewicht, DaMarques Johnson, der bei seinem Einmarsch wie ein Opferlamm wirkte, das gerade zur Schlachtbank geführt wird.

Zur Überraschung aller begann Nelson den Kampf mit einem Tritt zum Kopf. Verkehrte Welt auch, nachdem Nelson durch ein Takedown aus dem Clinch den Bodenkampf suchte: Johnson fing ihn in einem Omoplata, aus dem sich Nelson allerdings problemlos befreite. Kurz darauf nahm Nelson die Mount-Position ein. Johnson gab seinen Rücken frei, für den Rear Naked Choke musste Nelson jedoch noch eine Weile arbeiten. Nach 3:24 Minuten erwirkte er damit die Aufgabe. Die englischen Fans, die Nelsons Aufstieg auf ihrer Insel mitverfolgen konnten, jubelten ihm daraufhin ebenso begeistert zu wie sein isländischer Fanclub.

Brad Tavares verdirbt Tom Watson den Einstand

Nach Nelson stand das Debüt von Tom „Kong“ Watson an, einem von zwei neuverpflichteten Engländer, die an diesem Abend zum ersten Mal ins Octagon stiegen. Das Mittelgewicht wurde von dem „Ultimate Fighter 11“-Finalisten Brad Tavares auf der größten Kampfsportbühne der Welt willkommen geheißen.

Watson und Tavares feuerten zu Beginn knackige Boxkombinationen ab, ehe Tavares das erste Takedown des Kampfs erzielte. Watson stand schnell wieder und wurde dann von Tavares gegen den Käfig gepresst. Ein Tiefschlag unterbrach das Geschehen für kurze Zeit. Nach dem Wiederbeginn setzten die beiden neben ihren Schlägen auch Lowkicks ein. Als Tavares die Oberhand zu gewinnen schien, peitschte das Publikum den Lokalmataodor mit lauten „Watson!“-Rufen nach vorne. Watson landete einen linken Haken, woraufhin Tavares zum Takedown überging und Watson kurzzeitig von den Beinen holte.

In der zweiten Runde setzten Watson und Tavares ihr Gefecht im Stand fort. Sie schlugen nicht wild auf sich ein, sondern wählten ihre Angriffe klug aus. Das Duell verlief im Stand ausgeglichen, als Tavares Watson plötzlich zu Boden brachte und blitzschnell die Back Mount einnahm. Tavares versuchte, Watson mit dem Rear Naked Choke zur Aufgabe zu zwingen, aber Watson hielt unter den Anfeuerungsrufen des Publikums bis zum Rundenende durch.

„Takedown“ lautete im dritten Durchgang die Mission von Tavares. Watson verteidigte sich gut, er wehrte die Takedowns entweder ab oder blieb nie lange auf dem Boden. Der Aggressor war jedoch die ganze Zeit über Tavares.

Die drei Punktrichter werteten den Kampf nach drei engen Runden 30-27 und 29-28 für Tavares sowie 29-28 für Watson.

Akira Corassani setzt sich knapp gegen Andy Ogle durch

Im Federgewicht kam es zum Aufeinandertreffen der „Ultimate Fighter“-Teilnehmer Akira Corassani und Andy Ogle. Für beide war es der erste offizielle Kampf im Octagon. Corassani, der in Schweden zuhause ist, kämpfte vor seinem Einstieg in die UFC auch dreimal in Deutschland.

Ogle und Corassani konzentrierten sich zunächst auf Boxkombinationen. Ogle brachte Corassani mit einem linken Haken zu Fall, doch kaum war Corassani auf den Beinen zurück, rüttelte er Ogle mit einem Schwinger durch. Beide waren in dieser Runde mit jedem Schlag auf der Suche nach dem Knockout.

In der zweiten Runde setzte Ogle zum ersten Takedown des Kampfes an, aber Corassani wehrte es leichtfertig ab, ebenso das zweite und dritte. Im Stand landeten beide harte Treffer, die Runde schien völlig offen. Dann gelang Ogle jedoch bei seinem vierten Versuch das Takedown. Als Corassani aufstehen wollte, nahm Ogle ihn in den Guillotine Choke – durch genau so eine Aktion war Corassani bei „TUF 14“ ausgeschieden. Diesmal hielt Corassani bis zum Rundenende durch und revanchierte sich bei Ogle mit einem linken Haken, gerade in dem Moment, als der Ringrichter die beiden trennen wollte.

Corassani schlug Ogle eine Minute nach Beginn der dritten Runde mit einem Haken nieder, Ogle klammerte sich verzweifelt an ein Takedown und bekam es auch. Bei seinem Versuch, die Back Mount einzunehmen, konterte Corassani und presste ihn gegen den Käfig. Ogle ließ sich nicht zu Boden bringen und schlug bis zum Ende der Runde kontinuierlich auf Corassani ein.

Zwei der Punktrichter sahen Corassani mit 29-28 vorne, während einer 30-27 für Ogle wertete – das Publikum war außer sich.

Jimi Manuwa behält weiße Weste

Das letzte UFC-Debüt dieses Abends gab Jimi Manuwa, ein unbesiegtes Halbschwergewicht aus England. Manuwa ging zunächst auf die Forderung des Einmarschlieds seines Gegners Kyle Kingsbury ein – „Baby, don’t hurt me!“ – und ließ sich zu Beginn des Kampfes zu Boden bringen und mit einem Front-Headlock kontrollieren. Das Buhen der Zuschauer ging in lauten Jubel über, als es Manuwa gelang, wieder aufzustehen.

Ab diesem Zeitpunkt drehte Manuwa auf und ignorierte fortan die „Don’t hurt me“-Bitte des „Ultimate Fighter 8“-Teilnehmers. Er wehrte ein Takedown ab und setzte Kingsbury mit Schlägen und Ellenbogenstößen zu, ehe er ihn mit einer Schlagsalve niederschlug. Kaum hatte sich Kingsbury wieder gefangen, erschütterte Manuwa ihn mit einem Tritt und einem Kniestoß zum Kopf. Nach einem weiteren Tritt zum Kopf stellte er Kingsbury am Käfig und deckte ihn mit Schlägen ein. Kingsbury ging zu Boden, Manuwa ließ ihn erneut aufstehen. Wieder traf Manuwa mit einem Tritt zum Kopf.

Kingsbury schien die Treffer der ersten Runde gut weggesteckt zu haben, denn er begann den zweiten Durchgang mit einem Takedown in die Half Guard. Wie zuvor stand Manuwa auf, ohne Schaden zu nehmen. Dann trieb er Kingsbury mit Schlägen und Kniestößen durch das Octagon, denen er abermals einen Tritt zum Kopf folgen ließ. Das nächste Takedown von Kingsbury wehrte Manuwa ab. Kingsbury steckte im Stand weiter ein, schaffte es aber dennoch, Manuwa nochmals zu Boden zu bringen. Kingsbury holte sich die Side Control, doch die Zeit reichte nicht mehr aus, um aus dieser Position Kapital zu schlagen.

Nach Absprache mit dem Ringarzt brach der Ringrichter den Kampf in der Pause zwischen der zweiten und dritten Runde ab, weil Kingsburys linkes Auge so stark zugeschwollen war, dass er nichts mehr sehen konnte.

Ungefährdeter Sieg für Che Mills

Duane „Bang“ Ludwig und der Engländer Che Mills standen im ersten Kampf des Hauptprogramms. Mills legte direkt mit den Kniestößen los, die ihm im letzten Jahr den Sieg in seinem UFC-Debüt einbrachten. Dann fegte er Ludwig das Bein weg und hielt ihn in der Side Control. Jegliche Befreiungsversuche Ludwigs scheiterten oder wurden mit Schlägen beantwortet. Plötzlich unterbrach der Ringrichter den Kampf – Ludwig schien sich am linken Knie verletzt zu haben und zeigte an, nicht mehr weiterkämpfen zu können. Der Kampf fand nach 3:28 Minuten ein eigentlich unbefriedigendes Ende, die Zuschauer freuten sich aber dennoch für Mills.

John Hathaway müht sich gegen John Maguire ab

England gegen England hieß es im Kampf zwischen den Weltergewichten John Hathaway und John Maguire, welcher in der UFC noch ungeschlagen war. Beide sind insbesondere für ihre Fähigkeiten auf der Matte bekannt, doch sie entschieden sich für ein Duell im Stand, das in der ersten Runde nicht ganz auf Augenhöhe verlief. Hathaway erarbeitete sich mit geraden Schlägen und einem hin und wieder eingestreuten Tritt zum Kopf die Vorteile.

Erst in der zweiten Runde verlagerte Hathaway den Kampf auf den Boden. Aus der Half Guard wollte er Maguire mit kurzen Schlägen mürbe machen. Maguire hatte große Probleme damit, sich der Kontrolle Hathaways zu entziehen und musste sich dessen Ground and Pound gefallen lassen. Die Fans verloren mehr und mehr die Geduld mit den beiden.

Im dritten Durchgang machte Hathaway wieder mehr Druck im Stand, doch seine Schläge erzielten bei Maguire kaum Wirkung. Maguire blieb viel zu passiv, doch dann explodierte er eineinhalb Minuten vor Schluss in ein Takedown, nach dem er sich in der Side Control befand. Hathaway holte sich die Guard und verteidigte sich damit genügend vor Maguires Schlägen.

Die drei Punktrichter gaben den Sieg mit jeweils 30-27 an Hathaway.

Matt Wiman überlistet Paul Sass

Keine Sekunden dauerte es, da hatte der unbesiegte Engländer Paul Sass den „Ultimate Fighter 5“-Teilnehmer auch schon zu Boden gebracht. Guard hieß die Position, aber diesmal hatte nicht Sass, der Weltrekordhalter im „Mit-Triangle-Choke-siegen“, die Füße um seinen Gegner geschlungen, sondern es war genau umgekehrt. Kein Problem für Sass, der erst einmal mit Ground and Pound arbeitete. Wiman drehte den Spieß um und musste sich dann erst gegen einen Omoplata, dann gegen einen Beinhebel verteidigen.
 
Es war der Abend der Gegensätze, denn als nächstes nahm Wiman Sass in den Triangle Choke. Sass befreite sich und antwortete mit Schlägen, was Wiman zu einem Armhebel ausnutzte. Nach 3:48 Minuten Kampfzeit musste Sass abklopfen – zum ersten Mal in seiner Karriere. Ein sensationeller Sieg für Wiman, der Sass mit seinen eigenen Waffen geschlagen hat.

Brad Pickett wird seinem Spitznamen gerecht

Im Bantamgewicht trat der Engländer Brad „One Punch“ Pickett gegen den Kanadier Yves Jabouin an. Pickett ging aggressiv nach vorne und zeigte sich bereit, notfalls auch einzustecken, um seine Haken anbringen zu können. Jabouin war mit gelegentlichen Tritten und Kniestößen der vielseitigere Kämpfer, Pickett drückte jedoch ununterbrochen aufs Tempo.

Schließlich schlug Pickett Jabouin mit einem gut platzierten rechten Aufwärtshaken nach 3:40 Minuten eiskalt KO – diesmal reichte tatsächlich nur „One Punch“, um zu siegen. Die Zuschauer feierten ihn im Anschluss, als hätte er das Siegtor bei einer Weltmeisterschaft erzielt.

Nottingham belongs to Dan Hardy

Der Lautstärkepegel in der Capital FM Arena war enorm hoch, als Brad Pickett durch KO gewann. Als der frühere Weltergewichtstitelherausforderer Dan Hardy, nach Robin Hood der zweitberühmteste Sohn Nottinghams, zu dem Punkrock-Klassiker „England belongs to me“ die Halle betrat, kochte die Stimmung über. Es war lauter als im Fußballstadion, lauter als auf einem Rockkonzert – die Engländer begrüßten ihren Helden schon vor dem Kampf wie einen Weltmeister. Sein Gegner Amir Sadollah, Gewinner von „The Ultimate Fighter 7“, sollte für die nächsten fünfzehn Minuten Staatsfeind Nr. 1 sein.

Hardy ließ Sadollah kommen, schien ihn auskontern zu wollen. Die Zuschauer unterstützten ihn mit „Engerland, Engerland!“-Rufen. Sadollah etablierte seinen Jab, Hardy konzentrierte sich auf seinen starken linken Haken. Das Geschehen verlangsamte sich etwas, als Sadollah den Clinch initiierte und Hardy gegen den Käfigzaun presste. Hardy drehte die Position um, woraufhin die Zuschauer ihm nahe legten, er möge doch Kniestöße einsetzen. Stattdessen löste sich Hardy, aber Sadollah folgte ihm und es kam zum Thaiclinch – Kniestöße gegen Aufwärtshaken.

In der zweiten Runde ging Hardy viel aggressiver zu Werke. War die erste Runde noch relativ ausgeglichen, gewann Hardy nun immer mehr die Oberhand. Nach zwei Minuten hob er Sadollah aus und ließ ihn auf die Matte fallen, doch er konnte ihn dort nicht lange halten. Ein Schlagabtausch folgte dem nächsten, ehe Hardy Sadollah erneut auf die Matte beförderte. Sadollah hat eine gefährliche Guard, aber Hardy brachte dennoch einige Schläge durch.

Sadollah wollte die verlorene zweite Runde wettmachen und versuchte, Druck aufzubauen, doch Hardy clinchte und arbeitete auf ein Takedown hin. Sadollah drehte ihn und presste ihn gegen den Käfig. Es dauerte nicht lange, da hatte sich Hardy wieder gelöst. Nach zwei Treffern im Stand warf er Sadollah erneut auf den Boden. Sadollah versuchte es mit dem Triangle Choke, doch ohne Erfolg. Hardy setzte Sadollah aus der Guard heraus mit Schlägen und Ellenbogenstößen zu. Ein schwer gezeichneter Sadollah schaffte es in den Stand zurück, nur um dort weitere Schläge einzustecken.

Die Punktrichter sprachen Hardy mit 29-28, 29-28 und 30-27 den Sieg zu. Hardy, der in seiner Heimatstadt in fünf Kämpfen ungeschlagen ist, versprach den Fans nach seinem Sieg, er werde alles dafür tun, um den Titelgürtel der UFC nach Nottingham zu bringen.

Stefan Struve beendet Stipe Miocics Siegesserie

Showdown im Schwergewicht: Den Abschluss der Veranstaltung bildeten der unbesiegte Stipe Miocic und der Holländer Stefan Struve, der längste Kämpfer in der UFC. Struve nutzte seinen Größen- und Reichweitenvorteil zunächst nicht aus, sondern ließ Miocic nahe genug an sich herankommen, sodass Miocic mit kräftigen Haken attackieren konnte. Struve antwortete mit einem Tritt zum Kopf, aber Miocic schüttelte ihn ab. Miocic stieß Struve nach einem abgefangenen Kniestoß auf die Matte, wollte den Bodenkampf aber vermeiden und ließ Struve wieder hochkommen. Kurz darauf brachte er ihn mit einer Rechten ins Straucheln. Struve wollte weiterhin nicht sehr viel gelingen, Miocic beschäftigte ihn mit Angriffen zum Kopf, zum Körper und zu den Beinen.

Mit Beginn der zweiten Runde hatte Struve plötzlich seinen Jab entdeckt. Miocic verhielt sich weitaus passiver als in Runde eins und ließ Struve die Kontrolle übernehmen. Struve trieb Miocic mit harten Schlägen durch das Octagon. Miocic schien angeschlagen, da kam er plötzlich mit einem Haken zurück. Struve fasste sich schnell wieder und setzt Miocic weiter mit knackigen Haken zu. Das Ende kam nach 3:50 Minuten, als Miocic nach einer Schlagsalve stehend KO war und der Ringrichter daraufhin den Kampf folgerichtig abbrach – die erste Niederlage für Miocic und ein gelungener Abschluss für UFC on Fuel TV 5.