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Sheila Gaff: Ladykracher

Die Deutsche Sheila Gaff debütiert am 27. April bei UFC 159 in der UFC.

Rücktritt oder ein Vertrag mit der UFC – dies waren vor wenigen Wochen die selbst auferlegten Optionen von Sheila Gaff. Zum Glück für die deutschen Kampfsportfans kam kurz darauf das Vertragsangebot der größten MMA-Organisation der Welt. Sheila Gaff ist somit die erste deutsche Kämpferin in der UFC.

„Entweder es hätte mit der UFC geklappt, und darüber bin ich super happy, oder ich hätte mit dem MMA-Sport komplett aufgehört und mich im Profiboxen versucht“, so Gaff über den Scheideweg, an dem ihre Kampfsportkarriere angelangt war. „Jetzt bin ich überglücklich, mein Können in Zukunft im Octagon unter Beweis stellen zu können!“

Die 23 Jahre alte Hessin ist in Deutschland das weibliche Pendant zu Dennis Siver: die klare Nummer eins ihres Geschlechts. Die Leser des Kampfsportportals Groundandpound.de wählten Gaff dreimal in Folge zur besten deutschen Kämpferin. Nach sieben Jahren im Profigeschäft erhält sie am 27. April bei UFC 159 in Newark, New Jersey die Chance, sich in der UFC einen Namen zu machen.

Mit Rückenwind ins Octagon

Die UFC verpflichtete Gaff, nachdem sie ihre letzten drei Kämpfe als Fliegengewicht eindrucksvoll gewann. Sie schlug die zuvor unbesiegte Schwedin Hanna Sillen in acht Sekunden KO, bezwang die Irin Aisling Daly in 94 Sekunden durch technischen Knockout und knockte anschließend die brasilianische Chute-Boxe-Schülerin Jennifer Maia in zehn Sekunden aus.

Da Gaff seit zwei Jahren eine Gewichtsklasse tiefer antritt, als in der UFC möglich, war das Vertragsangebot etwas überraschend.

„Mein Trainer kam und meinte: Du bist jetzt in der UFC. Und ich so: Ja ja...“, sagt Gaff. „Ich habe es nicht geglaubt. Aber irgendwann habe ich es dann realisiert. Am Ende konnte ich es mir aber selbst zwei Tage später noch nicht so richtig vorstellen!“

Von Geburt an Kämpferin

Die Begeisterung für den Kampfsport wurde Gaff in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist Karate-Lehrer und war ihr erster Trainer. Von Kindesbeinen an trainierte sie in Bad Hersfeld und Eschwege den Standkampf.

„Ich würde sagen, dass ich den Kampfsport mit der Muttermilch aufgesogen habe“, sagt Gaff. „Vom Karate kam ich zum Kickboxen und mit 16 Jahren habe ich dann auch schon mein MMA-Debüt gegeben. Seitdem bin ich davon fasziniert. MMA ist ein dermaßen komplexer Sport, dass er mich körperlich und geistig an meine Grenzen bringt und mir alles abverlangt. Ich bin süchtig nach dem Training. Und im Kampf die gelernten Techniken abzurufen und über sich hinaus zu wachsen, ist einfach ein tolles Gefühl! Mein ultimatives Ziel in diesem Sport ist es, die erste deutsche MMA-Weltmeisterin zu werden!“

MMA-Kämpfer sind in Deutschland ungewöhnlich – MMA-Kämpferinnen noch viel ungewöhnlicher. Auch wenn der Sport ihrer Wahl bei manchen Menschen hin und wieder ein Stirnrunzeln oder ein unglaubwürdiges Kopfschütteln hervorruft, genießt sie in ihrem Umfeld die vollste Unterstützung.

„Glücklicherweise bin ich in der Situation, dass mich meine Familie und Freunde zu 100% dabei unterstützen“, sagt Gaff. „Mein Papa und meine Schwester sind meine größten Fans. Sie haben auch zu mir gestanden, als es zwischendurch einmal nicht so rund lief. Dieser Rückhalt ist sehr wichtig für mich.“

Durch eine harte Schule gegangen

Gaffs bisherige Karriere war eine gute Vorbereitung auf die UFC. Nach ersten Erfolgen auf kleineren Veranstaltungen in Deutschland kämpfte sie bei einigen der größten MMA-Organisationen Europas, unter anderem in Holland, Russland, Schweden, Finnland und zuletzt sogar in Dubai.

„Ich musste schon einige harte Schlachten schlagen“, sagt Gaff. „Natürlich denke ich nicht, dass mein UFC-Debüt eine leichte Angelegenheit wird, aber ich bin schon früh in meiner Karriere durch ein Stahlbad gegangen. Das hat mich abgehärtet und mich darauf vorbereitet, bei einer so großen Veranstaltungsreihe wie der UFC anzutreten.“

Gaff betritt das Octagon mit einer Bilanz von zehn Siegen, vier Niederlagen und einem Unentschieden. Alle zehn Siege erkämpfte sie in der ersten Runde – gewinnt Gaff, gewinnt sie schnell. Sechs Gegnerinnen schaltete sie durch ihre kräftigen Schläge aus, vier zwang sie zur Aufgabe.

„Ich kämpfe nicht, um Punkte zu erzielen“, sagt Gaff. „Ich warte auch nicht darauf, dass meine Gegnerinnen einen Fehler machen. Ich gehe nach vorne und versuche, meine Kämpfe so schnell wie möglich zu beenden.“

Olympia-Zweite als Begrüßungskomitee

Bei UFC 159 wartet die 32 Jahre alte US-Amerikanerin Sara McMann auf Gaff. McMann ist im MMA-Sport in ihren sechs Kämpfen ungeschlagen. Sie ist die erste US-Amerikanerin in der Geschichte, die bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille im Ringen gewann. Das gelang ihr 2004 im Freistilringen in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm. Bei den Weltmeisterschaften holte sie einmal Silber und zweimal Bronze. McMann kann ihre Gegnerinnen aber nicht nur auf die Matte werfen, sondern sie dort auch zur Aufgabe zwingen: 2009 gewann sie die Goldmedaille bei der Grappling-Weltmeisterschaft der FILA.

 „Sara McMann ist mit Sicherheit die stärkste Gegnerin meiner bisherigen Karriere“, sagt Gaff. „Als Olympia-Silbermedaillengewinnerin liegt es auf der Hand, wo sie ihre Stärken hat. Aber ich werde mich nicht mit ihr in einem Ringkampf, sondern in einem Faustkampf messen. Sie wird versuchen, ihre Stärken einzubringen und dem Kampf ihren Stempel aufzudrücken und ich werde das genauso tun. Am Ende beginnt jeder Kampf wieder aufs Neue im Stand und ich denke nicht, dass sie es in ihrer Karriere bisher mit einer Gegnerin zu tun hatte, die so aggressiv nach vorne marschiert und die so viel Druck aufbauen wird, wie ich das mache. Es wird ein toller Kampf und ich freue mich auf die Herausforderung!“

Es wird das klassische Duell zwischen Standkämpfer und Bodenkämpfer. Während McMann ihre Stärken im Clinch und auf der Matte hat, fühlt sich Gaff im Stand am wohlsten. Ihr Kampfstil erinnert an einen Wanderlei Silva zu seinen besten Zeiten. Gaff kennt nur den Vorwärtsgang und setzt alles daran, ihre Gegnerinnen mit Schlagsalven und Kniestößen von ihrem Bewusstsein zu trennen. Am 27. April wird das nicht anders sein.

„Ich werde versuchen, Sara McMann KO zu schlagen!“, sagt Gaff kampfeslustig. „Ich verspreche euch, dass ich alles geben und bis zum letzten Atemzug kämpfen werde!“