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Rich Franklin kämpft gegen einen Tornado

Für den Rückkampf gegen Wanderlei Silva wagt sich Rich Franklin am 23. Juni bei UFC 147 in feindliches Gebiet.

In der UFC gibt es keinen besseren Vorzeigemitarbeiter als Rich Franklin. Egal wo und wann und in welcher Gewichtsklasse er gebraucht wird, er ist da. So auch als sich Vitor Belfort verletzte, der am 23. Juni im Hauptkampf von UFC 147 in Brasilien gegen Wanderlei Silva kämpfen sollte. Glücklicherweise trainierte Franklin gerade für ein Duell mit Cung Le, weswegen er noch genügend Zeit hatte, sich auf Silva vorzubereiten.

„Ich las eines Tages meinen Twitter-Feed durch und sah, dass sich Vitor die Hand gebrochen hatte“, erzählt Franklin, ein ehemaliger Weltmeister im Mittelgewicht. „Ich dachte sofort: Hmm, interessant – wen sie wohl anrufen werden? Einen Tag später haben sie mich angerufen. Wenn die UFC meine Dienste für einen Hauptkampf in Brasilien benötigt, sage ich natürlich ohne zu zögern zu.“

Silva gegen Belfort wäre ein Rückkampf gewesen, aber auch Silva gegen Franklin ist einer. Am 13. Juni 2009 kämpften sie beim Deutschland-Debüt der UFC in Köln gegeneinander. Der 37 Jahre alte US-Amerikaner ging nach einer harten Schlacht mit einem einstimmigen Punktsieg nach Hause. Silva, der Franklin zweimal angeklingelt hatte, war mit dem Urteil der Punktrichter nicht einverstanden.

„Unser Kampf war der ‚Kampf des Abends‘“, sagt Franklin. „Es besteht meiner Meinung nach absolut kein Zweifel daran, dass ich diesen Kampf gewonnen habe.“

Der Rückkampf findet im brasilianischen Belo Horizonte statt, die Zuschauer werden ihren Volkshelden mit Sicherheit nach vorne peitschen und lautstark unterstützen. Franklin will sich von einer womöglich feindseligen Kulisse jedoch nicht verunsichern lassen.

„Sobald man im Octagon steht, kommt es einem wie eine Bühne vor, unter der das Publikum abgedunkelt ist“, sagt Franklin. „Man sieht nur seinen Gegner und hört nur seine Betreuer. Falls ich doch Geschrei und Buhrufe hören sollte, tue ich einfach so, als würden sie mir zujubeln.“

Für größere Verunsicherung hätte vielleicht die Tatsache sorgen können, dass Franklin seit dem Februar 2011 nicht mehr im Octagon gestanden ist. Aber auch das lässt ihn kalt.

„Ich mache mir keine Gedanken über etwaigen Ringrost“, sagt Franklin. „Ringrost betrifft meiner Ansicht nach nur zwei Typen von Kämpfern: junge Kämpfer und Kämpfer, die eine lange Pause hinter sich haben. Ich habe mich letzten August auf einen Kampf vorbereitet und erst im Oktober die Schulteroperation gehabt, von der ich mich sehr gut erholt habe. Meine Beweglichkeit ist voll da und ich fühle mich großartig.“

Franklin muss in der Nacht von Samstag auf Sonntag auch in sehr guter körperlicher Verfassung sein, denn wie Silva in seinem letzten Kampf gegen Cung Le gezeigt hat, ist er nach wie vor ein ernstzunehmender Gegner, der mit seiner wilden Kampfweise immer für einen Knockout gut ist.

„Den Kampfstil von Wanderlei beschreibt man am besten mit dem Wort ‚Tornado‘“, sagt Franklin. „Von weitem sieht er eigentlich ganz schön aus, aber je näher man dem Tornado kommt, umso gefährlicher und zerstörerischer ist er.“

Wer jetzt denkt, Franklin würde davon ausgehen, dass ihr Kampf bei UFC 147 ähnlich oder genauso verlaufen wird wie der bei UFC 99, irrt sich.

„Wanderlei war in Deutschland noch dieser Kämpfer, der die Distanz überbrückt, mit Schlägen in den Clinch stürmt und dann Kniestöße abfeuert“, meint Franklin. „Seitdem hat er sich weiterentwickelt, wie es alle klugen Kämpfer tun. Man gewinnt keine Titel, wenn man keine Anpassungen vornehmen kann. Wer weiß, vielleicht will er mich am Samstag ja zu Boden bringen und zur Aufgabe zwingen?“