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Pascal Krauss hat das Kämpfen nicht verlernt

Der unbesiegte Deutsche Pascal Krauss gibt am 5. Mai nach langer Verletzungspause sein Comeback. Bei „UFC on Fox 3“ kämpft er gegen den Engländer John Hathaway, den schwersten Gegner in seiner bisherigen Karriere.

Achtzehn Monate lang bestand das Leben des deutschen „Panzers“ aus Werkstatt und Truppenübungsplatz – am 5. Mai kehrt Pascal Krauss auf sein Schlachtfeld zurück, das Octagon. Krauss, einer von aktuell drei Deutschen in der UFC, kämpft im Vorprogramm von „UFC on Fox 3“ in East Rutherford, New Jersey gegen John Hathaway, eines der besten Weltergewichte Europas.

„Es wäre schon nett gewesen, einen Aufbaugegner zu bekommen, aber die gibt es in der UFC nicht“, sagt Krauss über seinen Comeback-Kampf. „Jeder, der in der UFC kämpft, hat ein gewisses Niveau – die einen sind natürlich ein bisschen besser, die anderen sind vielleicht nicht ganz so gut.“

Hathaway gehört mit Sicherheit zu der Kategorie „ein bisschen besser“. In der UFC gewann der 24 Jahre alte Engländer fünf von sechs Kämpfen, besiegte unter anderem Diego Sanchez, Rick Story und Paul Taylor. Krauss kommt zugute, dass Hathaway eine rund dreizehnmonatige Auszeit hinter sich haben wird, wenn er mit ihm ins Octagon steigt.

„An und für sich bin ich recht glücklich mit dem Matchup“, sagt Krauss. „Hathaway ist ein sehr guter Gegner, auf jeden Fall mein bisher stärkster Gegner. Er hat eine super Bilanz in der UFC und gehört wahrscheinlich zu den Top 10, Top 15. Das ist eine riesen Chance für mich, mich mit einem Sieg gleich wieder mitten ins Geschehen zu katapultieren. Und ich bin mir sicher, dass ich die Tools habe, um ihn zu schlagen, wenn ich alles richtig mache und vielleicht noch etwas Glück hinzukommt.“

Ein bisschen Glück kann nicht schaden, dann kommt es auch zu solchen Kampfausgängen wie dem, den sich Krauss vorstellt. „Flying Triangle, erste Runde“, sagt er mit einem Lachen – und fügt hinzu: „Für mich!“

Seinen ersten und bislang einzigen Kampf in der UFC hat Krauss einstimmig nach Punkten gewonnen. Das war am 13. November 2010 bei UFC 122 in Oberhausen gegen den Engländer Mark Scanlon. Krauss erhielt für seinen Sieg die Auszeichnung für den „Kampf des Abends“. Ein perfektes Debüt für den 25 Jahre alten Freiburger, der seinen zehnten Sieg im zehnten Kampf feierte. Doch in den Monaten darauf musste er die Erfahrung machen, dass diejenigen, die hoch fliegen, auch tief fallen können.

Nur einen Monat nach seinem UFC-Debüt zog sich Krauss eine Schultereckgelenksabsprengung zu, die ihn lange Zeit außer Gefecht setzte. Im November 2011 sollte er bei UFC 138 gegen John Hathaway sein Comeback geben, doch im Sommer verletzte er sich an seiner anderen Schulter. Für einen jungen aufstrebenden Sportler eine mittelschwere Katastrophe. Krauss lenkte sich zwar ein wenig ab, indem er die neugefundene Freizeit genoss und sich mit Freunden traf, aber er kam nicht umhin, sich innerlich mit seiner Situation auseinanderzusetzen.

„Ich habe mir einfach bewusst gemacht, dass es andere Menschen gibt, denen es viel dreckiger geht als mir“, erzählt Krauss. „Klar ist so eine Schulterverletzung mies, aber sie ist nur temporär. Es dauert eine Weile, aber dann ist man wieder gesund und kann sich wieder bewegen. Es gibt andere Menschen, die ihr ganzes Leben lang nicht gut atmen oder nicht gut sehen können. Oder sie leben in irgendeinem Land wie Nordkorea, wo sie – obwohl sie gesund sind – trotzdem nicht das machen können, was sie wollen, weil irgendein Diktator etwas dagegen hat. Ich habe mir immer wieder bewusst gemacht, wie gut es mir im Gegensatz zu der ganzen Misere auf der Welt doch eigentlich geht.“

Anfang dieses Jahres war Krauss schließlich wieder fast der Alte. Anfangs war er nach eigener Aussage noch ein bisschen eingerostet und langsam, aber er fand schnell wieder zu seiner Form zurück. Seine Angst vor Ringrost ist gering.

„Das Kämpfen ist ein bisschen wie Fahrradfahren: Man verlernt zwar schon ein bisschen was, aber die Basics, die grundlegenden Bewegungen, die behält man bei“, meint Krauss. „Ich werde am Samstag wahrscheinlich ein wenig aufgeregter sein als vor meinen anderen Kämpfen, als ich fünf- oder sechsmal pro Jahr gekämpft habe. Aber ich hoffe, dass das die ersten ein bis zwei Minuten so ist und ich mich danach wieder an das Gefühl gewöhnt habe. Letztendlich ist Hathaway in derselben Position wie ich, und wenn ich rostig bin, dann sollte er auch rostig sein.“

Als Krauss im Februar wieder fit war, packte er zuhause in Freiburg seine Siebensachen und flog nach Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin, um sich bei „Roufusport“, dem Gym der amerikanischen Kickboxlegende Duke Roufus, auf sein Comeback vorzubereiten. Damit knüpfte er an Trainingsaufenthalte in Brasilien, New York und San Diego an. Krauss entschloss sich für Milwaukee, um sich vor den Ablenkungen in seiner süddeutschen Heimat oder den kalifornischen Vergnügungsmöglichkeiten zu schützen, aber auch, um sich an der Seite anderer hochklassiger Kämpfer sportlich weiterzuentwickeln.

„Ich bin immer gerne von zuhause weg, damit ich nicht von dem ganzen alltäglichen Leben abgelenkt werde, das mich sonst so umgibt“, sagt Krauss. „Wir haben hier eine gute Mischung, mit Ben Askren, Alan Belcher, Anthony Pettis und Erik Koch. Es werden hier viele verschiedene Bereiche abgedeckt: gutes Ringen, gutes Standup, und auch recht gute BJJ-Jungs. In letzter Zeit habe ich viel mit Daniel Moraes gearbeitet, einem fünffachen BJJ-Weltmeister bei den Schwarzgurten. Das Training hier war gut, wir haben viel Sparring gemacht. An manchen Tagen hart, an manchen weniger hart, aber doch jeden Tag ein paar Runden. Ich hoffe, dass sich das dann am Samstag auszahlt.“

Und tausende deutscher Kampfsportfans hoffen mit ihm, denn mit einem vorzeitigen Sieg über Hathaway stehen die Chancen nicht schlecht, dass sein Kampf während der FOX-Übertragung gezeigt wird, auf dem größten Fernsehsender Nordamerikas. Dann würde er sich auch in den USA einen Namen machen, wo er bislang noch unter dem Radar geflogen ist.

„Das macht die ganze Angelegenheit schon ein wenig spannender, aber ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken“, sagt Krauss. „Je mehr ich darüber nachdenken würde, desto mehr könnte es mich ablenken. Es beeinflusst mich nicht sonderlich, ob zehn Leute zuschauen oder drei Millionen. Das sollte an meiner Leistung eigentlich nichts ändern. Ich versuche einfach, mein Ding zu machen. Wenn es gut wird – schön, wenn es viele Leute sehen. Wenn es schlecht wird – nee, es wird nicht schlecht!“