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Mark Hunt nutzt seine letzte Chance

Erst wollte ihn die UFC nicht, aber Mark Hunt bestand darauf, seinen Vertrag zu erfüllen. Nach seinem verlorenen Octagon-Debüt rappelte sich der K-1-Superstar noch einmal auf und ist nach drei Siegen in Folge plötzlich ganz in Titelnähe.

Mark Hunt ist ein echter Kämpfer. Viele Kampfsportler erzählen, sie wären jederzeit zum Kämpfen bereit – egal wann, egal gegen wen. Der 37 Jahre alte Neuseeländer ist einer der wenigen, denen man solche Aussagen uneingeschränkt glaubt.

Nachdem Hunt den Franzosen Cheick Kongo am 26. Februar bei UFC 144 in der ersten Runde durch TKO besiegte, bat er umgehend darum, in seiner Wahlheimat Australien bei UFC on FX 2 kämpfen zu dürfen – nur sechs Tage später. Dieser Wunsch wurde ihm zu seinem großen Bedauern nicht erfüllt. Stattdessen trifft er am 26. Mai bei UFC 146 auf den Holländer Stefan Struve.

Der Sieg über Kongo war Hunts dritter in Folge, nachdem er in seinem Octagon-Debüt im September 2010 von Sean McCorkle zur Aufgabe gezwungen wurde. Im Jahr 2011 schlug Hunt erst Chris Tuchscherer in der zweiten Runde KO, dann besiegte er Ben Rothwell einstimmig nach Punkten. Hunt steht nun kurz davor, zur Spitze der Schwergewichtsklasse aufzuschließen. Das hatten ihm vor einem Jahr nicht einmal seine treuesten Fans zugetraut. Am wenigsten die UFC, die ihn eigentlich gar nicht in ihren Reihen haben wollte.

Hunt befand sich fast schon im Vorruhestand, als er erfuhr, dass er plötzlich bei der UFC unter Vertrag war, nachdem deren Muttergesellschaft Zuffa LLC die legendäre japanische MMA-Organisation PRIDE gekauft hatte. Die UFC wollte ihn aus diesem Vertrag freikaufen, aber Hunt lehnte das strikt ab. Er wollte kämpfen und sich sein Geld im Octagon verdienen.

„Ich bekam eine letzte Chance und ich nahm sie gerne an“, erzählt Hunt. „Wenn es nicht dazu gekommen wäre, hätte ich mit dem Kampfsport abgeschlossen. Ich hätte mich in ein paar Jahren einfach an die guten alten Zeiten erinnert. Aber das war die Möglichkeit, ein letztes Mal auf einer großen Bühne zu kämpfen. Ich versuche, alles aus dieser Chance herauszuholen und Weltmeister zu werden.“

Als Hunt im September 2010 zu seinem UFC-Debüt antrat, betrug seine Kampfbilanz 5-6. Nicht die beste aller Kampfbilanzen, doch darf man dabei nicht vergessen, dass er im Laufe seiner Karriere nur mit Spitzenkämpfern in den Ring stieg, darunter Alistair Overeem, Fedor Emelianenko und Josh Barnett. Während er gegen diese Sportler verlor, besiegte er unter anderem Wanderlei Silva und Mirko Cro Cop. Hunt scheute keinen Gegner.

„Das machen Kämpfer eben so“, meint Hunt. „Ich habe das mein ganzes Leben lang gemacht, manchmal vor einer Hand voll Menschen, manchmal in einem Stadion vor 40.000 Zuschauern. Es ist verrückt, aber das machen Kämpfer eben. Man bekommt in seinem Leben nicht sehr viele Chancen, und wenn man eine bekommt, muss man alles geben, um sie zu nutzen. Ich gebe immer 100 Prozent, und egal, wie es dann ausgeht, so geht es eben aus. Ich bin ein Kämpfer, und wenn ich die Chance bekomme, gegen jemanden zu kämpfen, dann tue ich das – egal wann, egal wo, egal gegen wen.“

Hunt, der seine MMA-Karriere im Jahr 2004 startete, wurde gleich zu Beginn ins kalte Wasser geworfen. Schließlich war er damals nicht irgendein beliebiger Kampfsportneuling, sondern einer der Superstars von K-1, der berühmten japanischen Kickbox-Organisation. Im Jahr 2001 gewann Hunt den prestigeträchtigen World Grand Prix von K-1 und feierte damit seinen größten sportlichen Erfolg. Drei Jahre später wagte er sich an etwas Neues.

„Mit dem Gewinn des World Grand Prix hatte ich mir einen Traum erfüllt und war danach auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“, blickt Hunt zurück. „PRIDE machte mir ein Angebot und ich schlug sofort zu.“

Zuschlagen – das kann Hunt auch im Ring und Käfig. Neben dem aktuellen Schwergewichtstitelherausforderer Alistair Overeem, der ihn im Juli 2008 bei PRIDE zur Aufgabe zwang, ist Hunt der wohl beste Standkämpfer im Schwergewicht. Auch wenn er ein bescheidener Mensch ist – dieser Aussage kann und will Hunt nicht widersprechen.

„Jeder Gegner erzählt, dass er mit mir im Stand Schläge austeilen will, aber sobald ich ihn einmal treffe, merken er, dass Takedowns seine einzige Chance sind“, sagt Hunt, der sechs seiner mittlerweile sieben Niederlagen durch Aufgabe kassierte.

Es gibt etwas, das Hunt fast noch besser kann, als Schläge auszuteilen: Schläge einzustecken. Allerdings fasst er eine solche Aussage nicht als Kompliment auf.

„Ich habe den K-1 World Grand Prix gewonnen“, erklärt Hunt. „Ich bin einer der besten Kämpfer der Welt. Ich will den Menschen nicht einfach nur als harter Typ in Erinnerung bleiben, der alle Schläge wegstecken konnte. Das ist nicht die Idee, die hinter dem Kampfsport steckt. Die Idee ist, dass man seine Gegner schlägt, ohne selbst geschlagen zu werden.“

Auch wenn Hunt nicht gerne über seine außerordentlichen Nehmerqualitäten spricht, so werden sie ihm doch dienlich sein, wenn er weiter in der Schwergewichtsklasse der UFC aufsteigt. An der Spitze warten dann Topathleten wie Cain Velasquez, der zuvor erwähnte Overeem oder gar der amtierende Weltmeister Junior Dos Santos auf ihn.

„Es ist eine sehr gut besetzte Gewichtsklasse“, sagt Hunt. „Ich muss mit einigen zähen jungen Burschen konkurrieren – aber genau darum bin ich hier.“

Ein echter Kämpfer eben.