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Josh Grispi – Jeder Sieg ein glücklicher Zufall?

Es geht nicht um die Weltmeisterschaft, aber Josh Grispi betrachtet sein UFC-Debüt am 1. Januar dennoch als Titelkampf. Verliert er bei UFC 125 gegen Dustin Poirier, verliert er auch sein Anrecht auf ein Duell gegen den Federgewichtsweltmeister Jose Aldo.

Vom ersten Federgewichtstitelkampf in der Geschichte der UFC hinunter in die Vorkämpfe. Josh Grispi hätte guten Grund, enttäuscht zu sein, aber er hat schnell eingesehen, dass es sinnlos ist, sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die nicht in seiner Macht stehen.

„Ich war richtig heiß auf den Kampf gegen Jose Aldo“, erzählt Grispi. „Als man mir sagte, dass der Kampf ausfallen würde, dachte ich zuerst, das sei ein schlechter Scherz. Ich dachte, meine Trainer würden sich mit mir einen Spaß erlauben. Anfangs war ich schon etwas verärgert und niedergeschlagen, aber in unserem Sport passiert es nun einmal, dass man sich verletzt.“

Mit Verletzungen kennt sich der 22 Jahre junge Mann aus dem US-Bundesstaat Massachusetts bestens aus: Zweieinhalb Jahre war er bei World Extreme Cagefighting unter Vertrag, bestritt in dieser Zeit jedoch nur vier Kämpfe. Umso schneller wollte er sein UFC-Debüt feiern. Also entschied er sich, trotz Aldos Ausfall am 1. Januar zu kämpfen. Dafür steht er nun nicht mehr im Haupt-, sondern im Vorprogramm. Dennoch steht viel auf dem Spiel. Eine Niederlage gegen Dustin Poirier, der mit seinen 21 Jahren ebenfalls ein talentierter Jungspund auf dem Weg nach oben ist, bedeutet auch den Verlust seines hart erarbeiteten Federgewichtstitelkampfs.

„Ich habe eine große Zielscheibe auf meinem Rücken“, sagt Grispi. „Poirier wird sich sehr gut vorbereitet haben. Aber wenn ich weiß, dass ich gegen jemanden antrete, der mir eine Tracht Prügel verpassen will, motiviert mich das umso mehr. Ich muss einfach diszipliniert und konzentriert bleiben. Ich habe noch nie so viel trainiert wie für diesen Kampf. Ich fühle mich großartig. Das ist mein Leben und meine Arbeit. Jeder, gegen den ich kämpfe, ist menschlich. Und die sind alle besiegbar. Ich fürchte keinen Menschen. Wenn ich in den Käfig steige, hebe ich meine Gegner nicht auf ein Podest. Wenn ich mein Bestes gebe, kann ich einfach nicht verlieren. Ich habe Spaß und mache etwas, das ich liebe.“

Diese Einstellung hat Grispi in seinen jungen Jahren zu einer Kampfbilanz von 14-1 mit dreizehn Erstrundensiegen geführt. Eine beachtliche Leistung für jemanden, der den Spitznamen „The Fluke“ trägt, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „glücklicher Zufall“ oder „einen Glückstreffer landen“. Grispi bekam den Spitznamen im Jahr 2006 von seinem Trainer verliehen, nachdem er seine ersten vier Kämpfe in unter einer Minute gewann und es jedes Mal von neuem hieß, Grispi habe einfach nur Glück gehabt.

„Je mehr ich trainiere, umso mehr Glück habe ich im Kampf“, hat ein weiser Sportler einmal gesagt. Grispi hat so viel trainiert, dass er mittlerweile zu den vielseitigsten Kämpfern im Federgewicht gehört. Er kann einen Kampf aus allen Lagen und mit allen Mitteln beenden. Als Beweis genügt ein Blick in seine Kampfbilanz: Er erzielte Knockouts mit Schlägen und Kicks und er führte Aufgaben mit Hebeln und Würgegriffen herbei, sowohl aus der Ober- als auch aus der Unterlage.

„Ich sehe zu, dass mir der Erfolg nicht zu Kopf steigt“, erklärt Grispi, der momentan zehn Kämpfe in Folge ungeschlagen ist. „Ich bin immer noch von denselben Menschen umgeben, die schon für mich da waren, als ich im Alter von dreizehn Jahren mit dem Training begann. Nach einem Sieg gerät man leicht in Versuchung durchzudrehen, weil man davor die ganze Zeit so diszipliniert war. Aber uns passiert das nicht, das ist der Unterschied zu all den anderen. Wir sind die ganze Zeit diszipliniert. Darum sind wir so gut, darum beenden wir alle Kämpfe vorzeitig, darum haben wir so viel Erfolg.“

Reife Worte für einen 22-Jährigen. Und ein weiteres Indiz dafür, dass seine Siege alles Mögliche sind – nur keine glücklichen Zufälle.