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Frank Edgar und die Aura von BJ Penn

„Alle sagten, du würdest mich zerstören. Aber das hast du nicht. Was werden sie sagen, wenn ich dich erneut besiege?“ fragt UFC Leichtgewichtschampion Frank Edgar in einem Werbevideo für UFC 118. Im April nahm er BJ Penn den Gürtel ab, aber als Champion richtig ernst genommen wird Edgar noch nicht. Darum will er am 28. August beim Rückkampf zeigen, dass er als Champion keine Eintagsfliege ist: „Dieser Kampf wird mich als das beste Leichtgewicht der Welt bestätigen.“

Nicht weil Edgar ausgezeichnet gekämpft hat, sondern weil Penn so schlecht gekämpft hat, hat der krasse Außenseiter bei UFC 112 gewonnen, heißt es. Nach einem fünf Runden langen Duell, das fast ausschließlich im Stand ausgefochten wurde, werteten alle drei Punktrichter für Edgar. Er war ständig mit seinen schnellen und vielseitigen Schlagkombinationen erfolgreich, während Penn mit wuchtigeren Einzelschlägen konterte.

„Ich habe BJs Karriere verfolgt seit ich mit dem Kämpfen begonnen habe“, sagt Edgar. „Ich wusste, dass er gute Hände hat und dass er Power hat. Aber ich vertraute auf meine Schnelligkeit und meine gute Beinarbeit. Wir haben im Stand Schläge ausgetauscht und ich hatte den Eindruck, die meisten Schlagabtäusche für mich entschieden zu haben.“

Edgar landete mehr Treffer, Penn landete härtere Treffer. Dem wieselflinken Ringer und Boxer aus New Jersey gelang zudem etwas, das noch kein Leichtgewicht zuvor erreicht hat: Er warf Penn auf den Boden – wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Penn hingegen, der erste Nordamerikaner, der die Weltmeisterschaft im brasilianischen Jiu-Jitsu gewann, versuchte nicht ein einziges Takedown gegen Edgar, dem er auf der Matte eigentlich haushoch überlegen wäre.

„Ich habe zu hartnäckig versucht, ihn auszuknocken“, kommentiert Penn. „Ich war mit dem Kopf nicht mehr richtig bei der Sache. Nach dem Kampf war ich unheimlich enttäuscht. Ich konnte nicht glauben, wie schwach ich gekämpft hatte. Am 28. August werde ich Frank Edgar zeigen, was ich wirklich kann. Ich will, dass er mich ansieht und weiß: Das ist BJ Penn. So fühlt es sich an, gegen den wahren Weltmeister zu kämpfen.“

Da ihr erstes Aufeinandertreffen denkbar knapp ausfiel und Penn bis dato ein äußerst dominanter Champion war – er demontierte unter anderem Diego Sanchez, Kenny Florian und Sean Sherk –, wurde ihm ein sofortiger Rückkampf gewährt. Da die beiden Kontrahenten ständig daran arbeiten, sich kämpferisch weiterzuentwickeln und sie bestrebt sind, aus allen ihren Fehlern zu lernen, wird das Titelduell am Samstag voraussichtlich ein wenig anders ablaufen.

„Manchmal gewinnt nicht der beste Kämpfer, sondern derjenige, der am besten gekämpft hat“, weiß Edgar. „Bei UFC 112 trat der beste Frank Edgar aller Zeiten an. Es wird schwer, das zu kopieren. Aber ich will mit jedem Kampf ein besserer Kämpfer werden als zuvor. Deswegen mache ich mir keine Gedanken darüber, wie ich diesen ersten Kampf wiederholen kann. Stattdessen versuche ich herauszufinden, ob ich den Frank Edgar vom 10. April besiegen kann.“

In acht UFC-Kämpfen hat Edgar nur einmal verloren: Vor zwei Jahren gegen Gray Maynard, der bei UFC 118 gegen Kenny Florian darum kämpft, den alten oder neuen Leichtgewichtschampion als nächstes herausfordern zu dürfen. Nachdem Edgar in seinem Debüt Tyson Griffin und danach Mark Bocek sowie Spencer Fisher geschlagen hatte, stoppte Maynard den Aufstieg des 28 Jahre alten Mannes aus New Jersey. Doch während Penn den Leichtgewichtsgürtel gegen Sherk, Florian und Sanchez verteidigte, verdiente sich Edgar den Titelkampf mit überzeugenden Siegen gegen Hermes Franca, Sean Sherk und Matt Veach.

Außer Edgar und seinem Team glaubte allerdings kaum jemand, dass im April der Titel seinen Besitzer wechseln würde. Am wenigsten wohl Penn. Der 31 Jahre alte Hawaiianer hat seit Jahren den Ruf, sein Training und seine Vorbereitung nicht ernst zu nehmen und seine Motivation zu verlieren, wenn er sich von einem Gegner nicht gefordert fühlt. Dann surft er lieber auf den Wellen des Pazifiks, anstatt sich im Gym zu quälen. Hat er Edgar etwa auf die leichte Schulter genommen?

„Ehrlich gesagt habe ich mich die ganze Zeit wie ein Amateur verhalten“, gibt Penn zu. „Ich will viel beständiger sein. Ich will nicht zwei oder drei Siege einfahren und dann eine glanzlose Niederlage kassieren, nach der sich jedermann fragt: ‚Was zum Teufel war da los? Das ist nicht BJ Penn!‘ Ich habe genug davon, ein Amateur zu sein. Es ist an der Zeit, sich wie ein Profi zu verhalten. Alles was ich dafür brauche habe ich in mir. Ich kann es schaffen. Jeder kann zu mir herkommen und sagen: ‚Nein, BJ, wenn du so trainierst, gewinnst du keinen Kampf.‘ Und ich werde sie ansehen und sagen: ‚Nein, IHR könnt es nicht. Ich kann es.‘ Ich sehe mir all die anderen Jungs an und merke, dass ich kein Athlet bin. Sie sind Athleten und ich bin ein Kämpfer. Ich kämpfe, ich werde emotional, ich werde wütend, ich weine. Ich mache all diese unterschiedlichen Dinge, und sie, sie wollen sich einfach in einem Wettbewerb messen. Für mich ist das immer noch ein Kampf und für mich ist das immer noch die Ultimate Fighting Championship. Es ist nicht die Ultimate Fitness Challenge.“

Seine Kämpfermentalität ist es, die Penn seinen Legendenstatus verschafft hat: In seinem dritten MMA-Kampf knockte er Caol Uno, der damals zu den besten Leichtgewichten der Welt zählte, in elf Sekunden aus. Er nahm dem dominantesten Weltergewichtschampion der UFC-Geschichte, Matt Hughes, zu dessen Blütezeiten den Titel ab, indem er ihn in nur einer Runde zur Aufgabe zwang. Er stieg auf ins Mittelgewicht und besiegte Rodrigo und Renzo Gracie, zwei Sprösslinge der legendären BJJ-Familie. Er stieg sogar in den Ring, um sich mit dem früheren UFC Halbschwergewichtschampion Lyoto Machida zu messen, der damals über 100 Kilogramm wog.

„BJ Penn hat eine gewisse Aura um sich“, sagt Edgar. „Wenn ich ihn ein zweites Mal besiege, kann ich diese Aura vielleicht für mich beanspruchen. Ich werde einfach alles geben, denn ich kenne gar nichts anderes. Ich glaube, dass ich gewinnen werde.“ Kämpft Edgar bei UFC 118 erneut den „perfekten Kampf“ gegen Penn, kann er sich als das unbestritten beste Leichtgewicht der Welt feiern lassen. Dem Hawaiianer liegt jedoch viel daran, seinen Status als die Nr. 1 zurückzuerobern und zu beweisen, dass seine Niederlage im April nur ein Ausrutscher war. Auf das Urteil der Punktrichter will er es dabei nicht ankommen lassen.

„Ich will Frank Edgar KO schlagen oder zur Aufgabe zwingen – meinetwegen ihn auch auf den Kopf werfen, damit er davon KO geht“,  sagt Penn. „Mir ist es wichtig, meine Gegner vorzeitig zu besiegen, und ich kann es kaum erwarten, Frank Edgar vorzeitig zu besiegen.“