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Der erste Tastaturkrieger im Octagon

Als „Tastaturkrieger“ werden im Englischen Fans bezeichnet, die sich zuhause hinter ihren Monitoren verstecken und sich im Internet profilieren. Sean McCorkle ist einer von ihnen. Doch seit September ist er auch ein UFC-Kämpfer. Am Samstag bestreitet er seinen zweiten Kampf im Octagon.

Im Jahr 2005 verkaufte Sean McCorkle sein Unternehmen und setzte sich zur Ruhe – im Alter von 29 Jahren. Aus Langeweile begann er mit dem brasilianischen Jiu-Jitsu und bestritt kurz darauf seinen ersten MMA-Kampf. Fortan widmete er sich dem Kampfsport und vertrieb sich die nicht zu knappe Freizeit im „Underground“, dem populärsten amerikanischen MMA-Forum. McCorkle lieferte sich mit den anderen Benutzern hitzige Wortgefechte, prahlte über seine Errungenschaften und machte sich einen Spaß daraus, die Fans zu provozieren und hinters Licht zu führen.

Im Sommer kam dann die Überraschung: Die UFC verpflichtete den wortgewandten Tastaturkrieger, der den MMA-Sport bis dato nur als netten Zeitvertreib betrachtete, für mehrere Kämpfe. Zu der Zeit wog McCorkle 145 Kilogramm und ihm blieben nur drei Monate, um das Schwergewichtslimit von 120 Kilogramm zu erreichen – so leicht war der 2,01 Meter große Hüne seit seinem achtzehnten Lebensjahr nicht mehr gewesen.

Nach zwölf qualvollen Wochen brachte McCorkle vor UFC 119 genau 120 Kilogramm auf die Waage. Der weitaus größere Erfolg sollte einen Tag später folgen: In nur 67 Sekunden zwang er den neuseeländischen Kickboxer Mark Hunt mit einem Armstreckhebel zur Aufgabe.

Aus Respekt vor dem früheren K-1-Superstar verzichtete McCorkle vor dem Kampf auf eine öffentliche Schlammschlacht. Die dadurch gesparte Munition kam wenige Wochen später zum Einsatz, nachdem er den Vertrag für seinen zweiten UFC-Kampf unterschrieben hatte. Noch bevor offiziell bekannt war, dass McCorkle am 11. Dezember bei UFC 124 gegen Stefan Struve kämpfen würde, begann er im Internet mit seiner verbalen Kriegsführung. Sowohl über seinen offiziellen Twitter-Account (@BigSexyMcCorkle) als auch im „Underground“ feuerte McCorkle giftige Sprüche in Richtung des 22 Jahre jungen Holländers ab.

Eine Auswahl seiner Kommentare:
-    Ich habe schon immer für mich beansprucht, der schönste Mann über 1,98 Meter zu sein. Und Stefan Struve ist ein weiterer Beweis dafür.
-    Manchmal frage ich mich, ob ein Dasein als mittelmäßiges Schwergewicht in der UFC wirklich alles ist, was man im Leben erreichen kann. Dann rufe ich Stefan Struve an und erkundige mich genauer.
-    Wenn ich eine Frau oder schwul wäre, wäre Stefan Struve definitiv nicht mein Typ.

McCorkle, Inhaber einer Kampfbilanz von 10-0, meint allerdings, dass man das Ganze nicht so ernst nehmen solle: „Die UFC ist ein Sport, aber sie ist auch eine Unterhaltungsform. Ich sage den Menschen immer, wenn sie Sport in Reinkultur wollen, sollen sie sich Schach oder die Olympischen Spielen ansehen. Die UFC bietet Unterhaltung, deswegen sehen die Menschen gerne zu und deswegen bezahlen sie auch dafür. Sie wollen unterhalten werden! Das gehört für mich genauso zu meinem Job wie im Octagon zu kämpfen. Ich werde oft gefragt, ob ich mir keine Sorgen mache, Struve mit meinen Sprüchen zu motivieren. Nein, denn erstens wird mich Struve nicht besiegen, das verspreche ich euch. Zweitens ist es mir egal, solange sich die Menschen den Kampf ansehen. Wenn man vor einem Millionenpublikum ausgeknockt wird, sieht man so oder so dumm aus. Es spielt dann keine Rolle, ob man vorher der liebste Mensch auf Erden war oder ob man Sprüche geklopft hat.“

Struve hat sich in den vergangenen Wochen alles angehört, was McCorkle von sich gegeben hat – und blieb still. Seine Antwort will er erst an diesem Samstag geben: „McCorkle hat im Internet viel Blödsinn über mich verbreitet. Ich werde erst im Octagon sprechen – und zwar mit meinen Fäusten. Wenn man solche Dinge über andere Profikämpfer sagt, ist es eine Garantie dafür, dass man den Hintern versohlt bekommt und ausgeknockt wird. Millionen von Menschen werden dabei zusehen wie ich ihn ausknocke. Für ihn wird diese Angelegenheit in einem Desaster enden!“