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Das wilde Leben des Ian McCall

Die Drogen gehören der Vergangenheit an – jetzt ist Ian McCall clean und bereit, in der neuen Gewichtsklasse der UFC durchzustarten. Im Halbfinale des ersten Fliegengewichtsturniers trifft er am 3. März bei UFC on FX 2 auf Demetrious Johnson.

Partys und Alkohol statt Training und Eiweißshakes: Ian McCall kämpfte gerne, aber noch lieber feierte er. Fünf Siege in fünf Kämpfen führten ihn zu World Extreme Cagefighting, doch anstatt seinen Lebenswandel auf eine erfolgreiche Karriere im Profisport ausrichten, drehte McCall noch mehr auf. Die Nacht wurde immer mehr zum Tag und Training war nicht nötig, schließlich war er doch ein Naturtalent.

„Als ich von der WEC verpflichtet wurde, verschlimmerte das mein Problem nur noch“, blickt McCall zurück. „Ich dachte, ich wäre ein Rockstar. Ich dachte, ich wäre der coolste Mensch auf diesem Planeten. Ich dachte, ich wäre der kommende Superstar – und vielleicht hätte ich das auch sein können, aber ich habe die Sache nicht ernst genommen.“

Bei World Extreme Cagefighting fand McCall schnell heraus, dass Talent alleine nicht ausreicht, um auf Weltebene mithalten zu können. Nach nur einem Sieg in drei Kämpfen wurde er entlassen. Ohne einen festen Arbeitgeber hatte er noch mehr Zeit für seine Drogenexzesse – bis er irgendwann verhaftet wurde. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, machte er eine Therapie.

Viel zu spät, denn einige Wochen vorher wäre McCall beinahe an einer unabsichtlichen Überdosis gestorben. Er war bereits klinisch tot, doch die Ärzte retteten sein Leben. Nach zwei Wochen im Krankenhaus war er wieder fit wie eh und je. Während der Therapie sah er ein, dass es so nicht ewig weitergehen kann und er widmete sich anschließend wieder seiner zweiten Leidenschaft: dem Kampfsport.

„Ich muss ständig an meine Grenzen gehen, egal was ich tue“, erzählt McCall. „Der MMA-Sport sorgt dafür, dass ich auf gesunde Art alles aus mir herausholen und bis an meine Grenzen gehen kann.“

Eineinhalb Jahre nach seiner Entlassung aus der WEC betrat McCall wieder die Kampfsportbühne. Nachdem er einen Aufbaukampf in knapp zwei Minuten gewonnen hatte, verpflichtete ihn die kalifornische Organisation Tachi Palace Fights, die sich besonders auf die leichteren Gewichtsklassen konzentriert.

Für Tachi Palace Fights trat McCall erstmals im Fliegengewicht bis 57 Kilogramm an – und das gegen den Brasilianer Jussier da Silva, damals die unangefochtene Nummer eins in dieser Gewichtsklasse. McCall besiegte da Silva im Februar letzten Jahres einstimmig nach Punkten. Im Mai schlug er Dustin Ortiz, woraufhin er um den Fliegengewichtstitel kämpfen durfte. Auch diesmal gewann McCall und wurde dafür mit dem Gürtel belohnt.

Am 3. März debütiert McCall in der UFC, die die Fliegengewichtsklasse erst in diesem Jahr eingeführt hat. Bei UFC on FX 2 in Australien findet das Halbfinale eines 4-Mann-Turniers statt, das den ersten Fliegengewichtsweltmeister in der UFC krönen soll. Um sicherzustellen, dass am Ende auch tatsächlich zwei Kämpfer um den Titel antreten können, wird es im Falle eines Unentschiedens erstmalig eine vierte Runde geben, die „Sudden Death“-Runde.

„Jetzt will ich der wahre Weltmeister werden“, sagt McCall. „Wer dieses Turnier gewinnt, wird ein Superstar. Wer in diesem Turnier verliert, ist einfach nur einer von vielen Kämpfern im Fliegengewicht.  Dieses Turnier ist ein historischer Moment, und ich werde alles geben, um es zu gewinnen. Ich will meine Gegner in dem Bereich schlagen, von dem sie denken, dass sie darin gut sind. Ich will in allen Bereichen gut sein und ich will aufregend sein und ich will meine Gegner vorzeitig besiegen. Ich will nicht nur gewinnen – ich will, dass mich meine Gegner fürchten.“